Den "Dämonen" ging es am Dreikönigstag im Elsavatal ans Schlafittchen. Über 70 Böllerschützen aus der gesamten Region waren beim Gautreffen in Eschau angetreten, um sie gemeinsam mit Lärm und Getöse zu vertreiben.

"Laden!" - Das erste Kommando von Schussmeister Erhard Herzog, Gauböllerreferent des Schützengaus Main-Spessart, schallt über das leicht abschüssige Gelände oberhalb von Eschau. Böllerschützen aus nah und fern sind dort zusammengekommen, selbst Schützenvereine aus Frankfurt und Würzburg sind vertreten. Die meisten Aktiven stellen die Böllerschützen aus Amorbach.
"Vorspiel" mit Jagdhörnern
Samt Schaulustiger warten über 120 Menschen am Hang neben dem Eschauer Schützenhaus. Die Jagdhornbläser des Schützenvereins Elsava 1908 Eschau unter Leitung von Benno Heidemann und Schützenmeister Udo Wehren hatten zuvor das Gauböllertreffen eröffnet. Die Veranstaltung markiere den Jahresbeginn für den gesamten Schützengau, erklärt Hans-Otto Dölger, Böllerreferent des Schützengaus Maintal.
"Verdämmen!" - Die Schützen haben inzwischen das Schwarzpulver in ihre "Böller" gefüllt und verdichten es nun mit Ladestock und Holzhammer. "Je besser das Pulver verdichtet ist, desto besser knallt es", weiß Schützenmeister Wehren zu berichten.
"Fertigladen!" - die Schützen setzen das Zündhütchen auf und lassen den "Hahn" einrasten. Danach werden die Böller nach oben gerichtet.
Rauch und Pulverblitz
"Feuer!" - Ohrenbetäubendes Knallen durchbricht die Ruhe des beschaulichen Elsavatals. Gleichzeitig umhüllt weißer in der Januarsonne strahlender Pulverdampf die Schützen. Die Zuschauer und -hörer sind begeistert, spenden Applaus.
Sechs Schussfolgen stehen auf dem Programm des Gauböllertreffens. Begonnen wird mit dem "Langsamen Reihenfeuer von links". Die in Reihe stehenden Böllerschützen schießen von links beginnend nacheinander. Es folgen "Langsames Reihenfeuer von rechts". "Schnelles Reihen-feuer" (erst von links, dann von rechts) und "Gegenläufiges Reihenfeuer" von beiden Seiten. Den krachenden Schlusspunkt setzt der "Gemeinsame Salut", bei dem alle Schützen gleichzeitig ihre Böller auslösen. Den Zweck der Veranstaltung erklärte Schützenmeister Wehren zuvor: "Wir wollen im Elsavatal so viel Lärm verbreiten, dass alle 'bösen Geister und Dämonen' vertrieben werden."
Mit dem "Drei-Königs-Böllern", das zum zweiten Mal in Eschau veranstaltet wurde, knüpfen die Elsava-Schützen an eine jahrhundertealte Tradition an. Schon die alten Germanen versuchten mit Lärm böse Geister und Dämonen zu vertreiben. Besonders in den Raunächten zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar waren die dunklen Mächte laut damaligem Volksglauben sehr aktiv und wurden mit Lärm bekämpft. Benutzt wurden Trommeln, Rasseln und in manchen Gegenden auch Peitschen. Mit Erfindung des Schwarzpulvers wurde dann auch zu Böllern gegriffen.
Tradition neu belebt
Das Böllerschießen hat sich im Laufe der Jahrhunderte vom Wunsch nach Vertreibung böser Mächte, Verbreitung von Warnungen und der Verbesserung der Wetterlage zum Ausdruck besonderer Lebensfreude gewandelt. Heute wird meist zu festlichen und besonderen Anlässen geböllert. Auch "Nichtschützen" lassen es zur Begrüßung des neuen Jahres gehörig krachen. Mit dem "Drei-Königs-Böllern" wollen die Eschauer Schützen eine Tradition beleben, die laut Udo Wehren zeigt, wie eng früher christliche und heidnische Bräuche verschmolzen sind. Auch nächstes Jahr werden die Schützen wieder das Elsavatal von bösen Geistern befreien.
... weitere Bilder >>>
Gau-Pressereferent
| © Alle Rechte vorbehalten |
| Schützengau Maintal |